SIG ENewsletter 9 / 17. November 2004

WJC Konto in Genf - SIG gibt nicht nach

Kongresse zum Thema Antisemitismus in Israel

Melde- und Beratungsstelle für antisemitische Vorfälle in der Schweiz

SIG Media Watch

Rat der Religionen: Mandat als Dialogplattform für religionspolitische Fragen bestätigt

Tagung "Palästinaflüchtlinge" vom 20. November - Intervention von SIG und Plattform


WJC Konto in Genf - SIG gibt nicht nach

Die Diskussion um die 1,2 Millionen Dollar auf einem Genfer Konto des WJC zieht weitere Kreise. Nach einer Sitzung der erweiterten EJC Exekutive, am Sonntag, 7. November 2004 in Berlin, wurde der SIG mittels einer Resolution aufgefordert, dem WJC sein Vertrauen auszusprechen und seine Forderung nach einer unabhängigen Buchprüfung des Genfer Kontos zurückzuziehen. Sollte dies nicht innert 14 Tagen geschehen sein, droht der Ausschluss des SIG Präsidenten, Prof. Alfred Donath, aus dem EJC Präsidium. In der gleichen Mitteilung signalisiert das EJC Präsidium Gesprächsbereitschaft mit dem SIG.

Die Geschäftsleitung hat an ihrer letzten Sitzung einstimmig beschlossen, diesem Druckversuch nicht nachzugeben. Sie hat den World Jewish Congress und den European Jewish Congress über diesen Entscheid schriftlich informiert sowie dem EJC mitgeteilt, dass die GL für Gespräche offen ist.

Es ist der Geschäftsleitung klar, dass in diesen schwierigen Zeiten die Einheit der europäischen Juden gewahrt werden sollte. Allerdings nicht auf Kosten von Glaubwürdigkeit und Transparenz, welche als Basis der Arbeit jüdischer Organisationen nötig sind.


Kongresse zum Thema Antisemitismus in Israel

In der letzten Oktoberwoche fanden in Tel Aviv und Jerusalem gleich drei Kongresse zum Thema Antisemitismus statt, an denen der Vizepräsident SIG, Dr. Josef Bollag, teilnahm. Es handelt sich um die "International Conference Tel Aviv University & Global Forum against Anti-Semitism", 24. - 27. Oktober 2004; Konferenz über die "Protokolle der Weisen von Zion", Stephen Roth Institute Tel Aviv University, 24. - 26. Oktober 2004; "Global Forum against Anti-Semitism, 3rd semi-annual Plenary meeting, 26. - 27. Oktober 2004, Jerusalem.

Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bot sich ein geballtes Programm von Referaten, Workshops und Diskussionen rund um das Thema Antisemitismus.

Im Konferenzteil "Die Protokolle der Weisen von Zion" wurde von renommierten Referenten deutlich aufgezeigt, dass diese hetzerischen Schriften noch immer ihre Wirkung erzielen. rund 70% der zirkulierenden Neo-Nazi-Literatur ist von davon beeinflusst. In den USA bestärken die "Protokolle" vor allem bestehende Meinungen über Juden, wie z.B. dass:

  • Juden nie als Individuen, sondern nur in der Gruppe funktioneren

  • Juden, die in den USA leben von aussen (jüdische Weltverschwörung, Israel) kontrolliert werden

  • Juden "unsichtbar" über die amerikanische Politik regieren.

Weiter sind die "Protokolle" in den arabischen Staaten und unter Islamisten auch in Europa weit verbreitet. Sie dienen auch 100 Jahre nach ihrer Veröffentlichung und rund 70 Jahre nach Gerichtsurteilen*, wonach es sich bei den "Protokollen der Weisen von Zion" um "Schundliteratur" und "Plagiate" handelt, der antisemitischen Hetze.

Dr. Josef Bollag präsentierte in Tel Aviv einen Bericht zum Antisemitismus in der Schweiz, der in Kürze gedruckt vorliegen wird. Er stellte auch das Projekt Likrat vor, als Präventionsprogramm gegen Antisemitismus. Einige Delegierte zeigten sich am Projekt sehr interessiert und verlangten eine Dokumentation.

Eine Zusammenfassung wichtiger Vorträge dieser Kongresse wurden anlässlich der letzten Sitzung des Centralcomités and die Teilnehmer abgegeben. Diese kann beim Sekretariat SIG bestellt werden.

Website des Stephen Roth Institute
http://www.tau.ac.il/Anti-Semitism/

Programm des Kongresses
http://www.tau.ac.il/Anti-Semitism/events.html

Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin
http://www.tu-berlin.de/zfa/

The Coordination Forum for Countering Antisemitism
http://www.antisemitism.org.il/frontend/english/index.htm


Melde- und Beratungsstelle für antisemitische Vorfälle in der Schweiz

Die Melde- und Beratungsstelle für antisemitische Vorfälle in der Deutschschweiz wird seit September 2004 von der Aktion Kinder des Holocaust, AKdH, im Auftrag des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes SIG betrieben.

Die Meldestelle ist offen für alle Menschen: Betroffene, Beobachter und Fachpersonen.

Sie erhalten Begleitung, Beratung und Unterstützung im Umgang mit Erfahrungen von antisemitisch motivierten Vorkommnissen oder Übergriffen.

Seit Anfang September wurde die Beratungsstelle 22 Mal kontaktiert.

Es wurden 9 von Betroffenen als antisemitisch qualifizierte Vorfälle gemeldet, wovon in drei Fällen eine strafrechtliche Relevanz festgestellt werden konnte.

In 5 Fällen konnte die AKdH eine Opfer- oder Präventionsberatung anbieten. In weiteren Fällen wurde die Meldestelle um Unterstützung bei Internetrecherchen gebeten oder wegen Präventivmaßnahmen gegenüber gewaltorientierten jugendlichen ExtremistInnen kontaktiert.

Die Melde- und Beratungsstelle für antisemitische Vorfälle in der Deutschschweiz ist unter der folgenden Telefonnummer erreichbar: 061 413 80 78. In der Suisse Romande können antisemitische Vorfälle der CICAD unter der Telefonnummer 022 321 48 78 gemeldet werden.

Die beiden Organisationen werden ihre Zusammenarbeit auf diesem Gebiet weiter intensivieren.

www.akdh.ch/meldestelle.htm

www.cicad.ch


SIG Media Watch

Die nach Auflösung des Medienforums neu geschaffene Media Watch Stelle übernimmt, unterstützt von einer von der GL noch zu wählenden Fachkommission, Aufklärungsarbeit und Reaktion gegen aussen und reagiert auf Berichte in den Medien, welche die Befindlichkeit der Schweizer Juden tangieren. Thomas Lyssy, der SIG Sprecher, steht der Stelle Media Watch zur Seite. Anlässlich seiner letzten Sitzung hat das Centralcomité des SIG die Unterstützung dieses Konzeptes beschlossen. Media Watch soll ein reaktionsfähiges und flexibles Instrument sein, welches seine Aktivitäten mit anderen, in denselben Gebieten tätigen Organisationen, koordiniert und die Information auch gegen innen gewährleistet.

Die Kommission "Media Watch" wird in den kommenden Wochen zusammengestellt und ihre Arbeit spätestens im Januar 2005 aktiv aufnehmen. Sie ist dem Ressort "Prävention und Information" angegliedert und wird von Dr. Josef Bollag geleitet.

Wir werden Sie an dieser Stelle über die Aktivitäten und Massnahmen von Media Watch weiter informieren.

www.swissjews.org


Rat der Religionen:

Mandat als Dialogplattform für religionspolitische Fragen bestätigt

Die Spitzenvertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften abrahamitischer Tradition haben sich am 3. November 2004 in Bern zu ihrer zweiten Sitzung getroffen: Pfarrer Thomas Wipf, Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds SEK; Bischof Amédée Grab, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz SBK; Fritz-René Müller, Bischof der Christkatholischen Kirche der Schweiz; Prof. Dr. Alfred Donath, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG sowie Dr. Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz KIOS.

An der Besprechung wurde grundsätzlich bestätigt, dass die Bildung einer Dialogplattform der christlichen Kirchen, der jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften ein Gebot der Stunde ist. Die Teilnehmenden wollen im Hinblick auf die Bildung eines Schweizerischen Rates der Religionen weiter im Gespräch bleiben.

Fünf prioritäre Zielsetzungen sollen bei der Bildung eines Schweizerischen Rates der Religionen verfolgt werden:

  • Beitrag zum Erhalt des religiösen Friedens in der Schweiz,

  • Verständigung unter den Teilnehmenden über die gemeinsamen Anliegen,

  • Vertrauensbildung zwischen den Religionsgemeinschaften,

  • Dialog zu aktuellen religionspolitischen Fragestellungen,

  • Ansprechmöglichkeit für Bundesbehörden in diesen Fragen.

Die Anwesenden haben beschlossen, ein nächstes Treffen zu vereinbaren.


Palästinaflüchtlinge - Realitäten und Perspektiven

SIG und Plattform der Jüdischen Liberalen Gemeinden der Schweiz intervenieren bei Frau Bundesrätin Micheline Calmy-Rey

Am Samstag, 20. November 2004 organisiert die Fachstelle für Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit OeME der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn eine Tagung rund um die Problematik der Palästinaflüchtlinge. Die Geschäftsleitung des SIG und die Plattform der Jüdischen Liberalen Gemeinden der Schweiz betrachten die Veranstaltung als einseitig pro-palästinensisch. So zählen laut Einladung und Programm "weit über 4 Millionen Frauen, Männer und Kinder zu jenen Menschen, die aus ihrer Heimat flüchteten - insbesondere1948 im Kontext der Gründung Israels - und zu ihren Nachkommen". Entgegen der anerkannten Flüchtlingsdefinition werden hier die Nachkommen von Flüchtlingen ebenfalls als solche bezeichnet. Die "Genfer Initiative" zum Beispiel geht von rund 30'000 Flüchtlingen aus. Die Einladung gibt zwar vor, dass das Thema auch "aus israelischer Sicht beleuchtet" werden soll. Die Auswahl der Referentinnen und Referenten spricht aber nicht dafür.

Nachdem diese Veranstaltung auch vom EDA unterstützt wird, haben sich der SIG und die Plattform der Jüdischen Liberalen Gemeinden der Schweiz entschieden, mittels eines Briefs bei Bundesrätin Micheline Calmy-Rey zu intervenieren und sie auf die oben erwähnten Sachverhalte aufmerksam zu machen. Ausserdem sprachen Prof. Alfred Donath und Jean-Marc Brunschwig die Hoffnung aus, dass der EDA Mitarbeiter Nicolas Lang zur Objektivität der Tagung beitragen werde.

http://www.refbejuso.ch/downloads/refbejuso/doc/Flyer_oeme-herbsttagung.pdf

http://www.eda.admin.ch/eda/g/home.html


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