
SIG ENewsletter 10-05 / 2. November 2005
Äusserungen des iranischen Präsidenten - der SIG und die PJLGS intervenierten bei Bundesrätin Micheline Calmy-Rey
Tagung der Evangelisch-Jüdischen Gesprächskommission
Eine Delegation der GL trifft den Vorstand des BSJF
Les Berges du Léman - die Weichen für die Zukunft sind gestellt
Darf Satire alles?
Revision des Tierschutzgesetzes
Treffen SUJS (Swiss Union of Jewish Students) mit dem SIG
Paradise NOW - der SIG reagierte auf Rezensionen in den Schweizer Medien
Gegen Ausgrenzung - neue Kampagne der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR
Äusserungen des iranischen Präsidenten - der SIG und die PJLGS intervenierten bei Bundesrätin Micheline Calmy-Rey
Nach den Äusserungen des iranischen Präsidenten, Mahmud Ahmadinejad, der zur Vernichtung Israels aufgerufen hatte, wandten sich der SIG und die PJLGS im Namen der Schweizer Juden an Bundesrätin Micheline Calmy-Rey. Im Brief vom Donnerstag, 27. Oktober forderten die beiden Verbände eine scharfe Verurteilung der Äusserungen durch das EDA. Sie finden den Brief im vollen Wortlaut unter http://www.swissjews.org/pdf/Irandef1005.pdf.
Das EDA hat den Aufruf des iranischen Präsidenten, Israel auszulöschen, am Freitag, 28. Oktober «mit aller Kraft verurteilt». Der Aufruf sei «erschütternd und für einen Mitgliedsstaat der Uno inakzeptabel», sagte EDA-Sprecherin Carine Carey.
Danach veröffentlichte die Iranische Nachrichtenagentur IRNA eine Mitteilung, in der unter anderem die "Propaganda der zionistischen Lobby in der Schweiz" angeprangert und die Reaktion des EDA verurteilt wurde.
Tagung der Evangelisch-jüdischen Gesprächskommission
Mitte September fand in Bern eine geschlossene Veranstaltung zum Thema "Israel - Land der Gegenwart, der Geschichte, der Verheissung für Juden, Christen und Muslime" statt.
Organisiert wurde die Tagung von der EJGK, der Gesprächskommission des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK und des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG. Die Geschäftsleitung des SIG war durch ihren Präsidenten Alfred Donath, GL Mitglied Daniel A. Rothschild sowie den Generalsekretär Dennis L. Rhein vertreten.
Während am Vormittag die Bedeutung des Landes Israel für die einzelnen Glaubensrichtungen behandelt wurde, war der Nachmittag für ein Round Table zu Perspektiven - welche Möglichkeiten hat die Politik? - reserviert.
Nach einer Einführung in die Thematik von Rabbiner Tovia Ben Chorin hat Rabbiner Rabbiner Marc Guedj aus Genf den jüdischen Standpunkt vorgestellt. Die christliche Perspektive vertrat PD Dr. Roland Deines von der Universität Tübingen und Jena und die islamische Sicht vertrat lic. phil. Urs Gösken vom Orientalischen Institut der Universität Zürich.
Neben Michael Chiller vom Institut für Jüdische Studien der Universität Basel, Simon Erlanger vom Institut für Jüdisch-christliche Forschung der Universität Luzern, Pfarrer Matthias Hui von der Fachstelle OeME und HEKS Bern nahm am Nachmittag auch Nationalrätin Vreni Müller-Hemmi als Präsidentin der Gesellschaft Schweiz-Israel an der von Peter Schmid vom Rat SEK moderierten Diskussionsrunde teil.
"Ist die Religion ein Faktor der Moderation oder der Gewaltsamkeit?" war das Thema dieses Rundtischgespräches. Die kontroverse Diskussion zeigte auf, dass diese erstmals in dieser Form durchgeführte Arbeitstagung Impulse für die künftige Arbeit der Gesprächskommission liefern kann.
Was lange währt...
Mitglieder der Geschäftsleitung und Damen des Vorstandes des Bundes Schweizerischer Jüdischer Frauenorganisationen (BSJF) trafen sich zu einer gemeinsamen Sitzung in Basel.
Dabei ging es primär darum, sich gegenseitig über vergangene und kommende Tätigkeiten zu informieren. Des Weiteren wurden die folgenden zwei Aspekte spezifisch erörtert:
Am Gespräch nahmen von Seiten des BSJF die Präsidentin, Inge-Lise Wormser, sowie die Vorstandsdamen, Claudie Goetschel, Marlyse Rom und Maja Rosenbaum teil. Die Delegation des SIG bestand aus dem Präsidenten, Prof. Dr. Alfred Donath , der Präsidentin des VSJF , Doris Krauthammer , sowie Sabine Simkhovitch-Dreyfus , Daniel A. Rothschild und dem Generalsekretär, Dennis L. Rhein.
Beide Seiten waren sich am Schluss der Sitzung einig, dass ein solcher Gedankenaustausch sehr wertvoll ist und man den Kontakt weiterhin pflegen will. Gelegenheit dazu wird es anlässlich der Delegiertenversammlung des BSJF geben, die am 7. Mai 2006 in Baden stattfinden wird, an der tradition sg emäss der SIG-Präsident jeweils einige Worte an das Plenum richtet.
Les Berges du Léman - die Weichen für die Zukunft sind gestellt.
Anlässlich der letzten Sitzung des Centralcomités wurden auf Antrag der Geschäftsleitung zwei CC-Mitglieder in die neu geschaffene Arbeit sg ruppe "Les Berges du Léman" gewählt.
Seit rund drei Jahren vermietet bekanntlich der SIG das Heim an die Fondation Claire Magnin, einer Organisation, die mehrere Altersheime in der welschen Schweiz führt. Für den SIG geht es nun darum seine Strategie für einen Verkauf dieser Liegenschaft zu definieren und die diesbezüglichen Verhandlungen mit den Interessenten zu führen.
Im Hinblick darauf hat die Geschäftsleitung entschieden, gemeinsam mit Mitgliedern des Centralcomités sämtliche zukunft sg erichteten Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Heim "Les Berges du Léman" gemeinsame und koordiniert zu bearbeiten.
Dieser von Prof. Dr. Alfred Donath geleiteten Kommission gehören Sabine Simkhovitch-Dreyfus und Daniel A. Rothschild von der Geschäftsleitung, sowie Samuel Bendahan (Genf) und Harry Berg (Zürich) als Vertreter des Centralcomités an.
Die Kommission hat bereits getagt und sich über den derzeitigen Stand der Dinge informieren lassen. An der zweimal jährlich stattfindenden Sitzung mit den Verantwortlichen der Fondation Claire Magnin wie auch mit den Vorstehern des Gesundheitswesens des Kanton Waadt hat erstmals die gesamte Kommission teilgenommen.
Darf Satire alles?
Im Tachles vom 23. September 2005 hat Charles Lewinsky auf Grund des letzten Newsletters eine Satire verfasst. Zwar hat Kurt Tucholsky den Satz "Satire darf alles" geprägt, aber auch die Grundlagen für eine Satire sollten sorgfältig recherchiert werden:
1. Zum Tod von Simon Wiesenthal hat unser Sprecher Thomas Lyssy gegenüber den Nachrichtenagenturen sda und ap Stellung genommen und den Verstorbenen gewürdigt. Die Nachricht vom Tode Simon Wiesenthals hat sich mit der Produktion des Newsletters leider überschnitten.
2. Im Zusammenhang mit der Naturkatastrophe in New Orleans hat der Präsident des SIG, Alfred Donath , sich beim World Jewish Congress über das Schicksal der jüdischen Menschen und den Zustand der jüdischen Einrichtungen telefonisch erkundigt und die Hilfe des SIG angeboten. Diese Hilfe wurde als nicht notwendig dankbar abgelehnt. Im Brief an den US-Präsidenten ging es einzig und alleine darum dem amerikanischen Volk das Mitgefühl der Schweizer Juden mitzuteilen. Ist das so daneben? Soll sich eine jüdische Organisation immer nur um Juden sorgen?
3. Dass der SIG aber während der Flutkatastrophe in der Schweiz der Glückskette eine Spende hat zukommen lassen - was per Communiqué verbreitet wurde - haben Tachles Leserinnen und Leser nicht erfahren. Schade eigentlich.
Revision des Tierschutzgesetzes
Der Ständerat hat sich in der Herbstsession nochmals mit dem Gesetz befasst. Wegen verbleibender Differenzen zum Nationalrat - welche nicht mit dem Schächtverbot in Verbindung stehen - wird das Geschäft erst in der Wintersession weiter behandelt werden. Wir werden Sie an dieser Stelle wieder informieren.
Treffen SUJS (Swiss Union of Jewish Students) mit dem SIG
Bei einem Treffen der Spitze der SUJS mit dem SIG Präsidenten Alfred Donath und GL-Mitglied Daniel A. Rothschild haben die Studenten über ihre kurz- und mittelfristigen Pläne informiert. Der SIG freut sich über eine aktive Studentenschaft und unterstützt diese aktiv im Rahmen seiner Möglichkeiten. Der SIG wünscht dem neuen SUJS Vorstand viel Erfolg und dankt gleichzeitig den bisherigen SUJS Vertretern für die angenehme und konstruktive Zusammenarbeit in den letzten Jahren.
Paradise NOW - der SIG reagierte auf Rezensionen in den Schweizer Medien
Nach teilweise sehr positiven Rezensionen des Films "Paradise Now" hat der SIG den betreffenden Medien einen Brief zukommen lassen, den wir hier auszugsweise zitieren.
Ausserdem hat der SIG entsprechende Schreiben auch an die Vertreter der Kirchen gesandt, auf deren Websites der Film empfohlen wurde.
Der preisgekrönte Film des arabisch-israelischen Regisseurs Hany Abu-Assad "Paradise Now", der nun auch in den Kinos der Schweiz gezeigt wird, zeichnet mit dem Freiheitsrecht der Kunst den Weg von terroristischen palästinensischen Attentätern in Tel Aviv nach. Die andernorts schon geführte kritische Debatte über den Film hat sich in Schweizer Medien bisher noch nicht niedergeschlagen. Wir möchten darum zu einer kritischen Diskussion über den Film beitragen, indem wir kurz drei für uns wichtige Punkte benennen:
1. Der Film verzerrt die Wirklichkeit des Terrors, indem er die Opfer und ihr entsetzliches Schicksal ausblendet. Wir verstehen, dass der Film sich mit dem Weg der Täter, ihren Motiven und Ambivalenzen, beschäftigt. Völlig au sg eblendet werden jedoch die Opfer. Der Film endet mit dem Attentat in einer Weissblende. Die grausamen Folgen der Bombenexplosion werden dem Publikum "gnädig" vorenthalten, um die Einfühlung in die Täter nicht zu behindern. Das ist eine Ästhetik der Gewalt, die sie als solche verschleiert, indem sie nicht zulassen will, dass ihre Folgen entsetzlich und blutig sind
2. Der Film beschönigt die Wirklichkeit des Terrors, indem er die Täter bewusst Kinder und Zivilisten als Opfer vermeiden lässt, während gerade sie in der Realität die häufigsten und schonungslos gezielt attackierten Opfer sind. Der Filmemacher lässt in einer Szene den Attentäter sich entscheiden, nicht einen Bus mit einem Kind in die Luft zu sprengen, den er schon au sg esucht hatte. Vielmehr wählt er dann einen Bus mit israelischen Soldaten. Das ist eine bezeichnende Szene, und zwar nicht nur deswegen, weil sie gewissermassen Menschlichkeit dem Mörder bescheinigen soll, sondern auch, weil sie den Mord an sich beschönigt. Hier wird zweifach gelogen. Einmal deswegen, weil in der Tat Kinder, Greise und Zivilisten hauptsächlich Opfer in der Realität sind als sogenannte "soft targets". Und zweitens, weil auch der Mord an israelischen Soldaten in Tel Aviv keine humanere Aktion wäre.
Gegen Ausgrenzung - neue Kampagne der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR
Mit ihrer neuen Präventionskampagne «Ohne Ausgrenzung» will die EKR die breite Öffentlichkeit auf ganz alltägliche Situationen aufmerksam machen, in denen sich Menschen anderer Religion, Hautfarbe oder Herkunft in ihrer Würde verletzt fühlen können.
Die Kampagne erscheint in den Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch. Ein Teil der Kampagnen-Sujets existiert auch auf Rumantsch. Alle 15 Sujets der Kampagne «Ohne Au sg renzung» können als Postkarten-Sets und oder einzelnen als Kleinplakate (A3-Format) bestellt werden.
Der SIG hat die Kampagne mit einem finanziellen Beitrag unterstützt. Der Vertreter des SIG in der EKR, Thomas Lyssy , war Mitglied der Begleitgruppe für die Kampagne.
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