
SIG ENewsletter 2-05 / 17. Februar 2005
Aussagen von Israel Singer anlässlich der Auschwitz Gedenkfeiern - die Reaktionen von SIG und PJLGS.
Resolution zur Nahostreise von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey
VertreterInnen der Schweizer Juden an den Gedenkfeiern in Auschwitz dabei.
Media Watch Arbeitsgruppe trifft sich zur ersten Sitzung.
Die Geschäftsleitung SIG trifft die Parteileitung der SVP.
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Die Schweizer Juden reagieren auf die Aussagen von Israel Singer.
Mit verschiedenen Medienauftritten und einer Pressemitteilung haben der SIG und die PJLGS auf die deplatzierten Aussagen von Israel Singer reagiert, die er anlässlich der Auschwitz-Gedenkfeier in Berlin machte.
In der Medienmitteilung hielten die beiden Verbände folgendes fest:
Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) und die Plattform der Jüdischen Liberalen Gemeinden der Schweiz (PJLGS) haben von der Aussage des World Jewish Congress Präsidenten, Israel Singer in Berlin Kenntnis genommen. Die beiden Verbände halten fest, dass die Schweiz die dunklen Seiten ihrer Politik während des Zweiten Weltkrieges in exemplarischer Art und Weise aufgearbeitet hat, Fehler eingestanden und sich öffentlich dafür entschuldigt hat.
Der Vergleich der Neutralität der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges mit der aktiven Täterschaft Österreichs und der Kollaboration in Frankreich erachten der SIG und PJLGS als nicht statthaft. Die beiden Verbände verwahren sich gegen solche unhaltbaren Anschuldigungen.
Ausserdem hat die Geschäftsleitung des SIG Israel Singer in einem Brief ihr Unverständnis über seine Aussagen mitgeteilt. Auch wenn die offizielle Schweiz vor und während des Zweiten Weltkrieges nicht frei von Schuld war, hat die Schweiz doch 30'000 jüdische Flüchtlinge aufgenommen und damit gerettet.
Weiter hat der SIG Präsident, Prof. Dr. Alfred Donath , auch zu einem Interview Israel Singers in der NZZ am Sonntag in verschiedenen Medien Stellung genommen. Er unterstrich dabei noch einmal die Position des SIG, wies aber auch darauf hin, dass die Erkenntnisse des Bergier-Berichtes besser bekannt gemacht werden sollten. Er äusserte sich positiv zum Beschluss der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), die auf den Bergier-Bericht basierende Geschichte der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges in den Schulen unterrichten zu lassen.
Resolution zur Nahostreise von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey
Anlässlich ihrer Sitzung vom 10. Februar 2005 haben das Centralcomité und die Geschäftsleitung des SIG folgende Resolution verabschiedet:
Der SIG hat mit Befriedigung von der im Gang befindlichen Entwicklung im Nahen Osten und insbesondere der neuen Friedenshoffnung Kenntnis genommen.
In diesem Zusammenhang bedauert er die unausgewogene Haltung von Bundesrätin Calmy-Rey anlässlich ihrer letzten Reise in der Gegend. Diese zeigte sich unter anderem im mangelnden Verständnis für die Sicherheitsbedürfnisse der israelischen Zivilbevölkerung, im stetigen Gebrauch des Wortes Palästina für die Autonomiegebiete, aber auch in der Gleichbehandlung anlässlich der Kranzniederlegung am Grab von Jassir Arafat und an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Eine ausgewogenere Haltung hätte es der Schweiz erlaubt, im Friedensprozess eine ihrer Tradition besser entsprechende Rolle zu spielen.
Vertreter der Schweizer Juden an den Gedenkfeiern in Auschwitz dabei.
Überlebende von Auschwitz, Veteranen der früheren Sowjetarmee sowie die Staats- und Regierungschefs aus 46 Staaten haben im früheren deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau am 27. Januar der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Ehemalige KZ-Häftlinge wie Simone Veil, die Ex-Präsidentin des Europaparlaments, und der frühere polnische Aussenminister Wladyslaw Bartoszewski riefen am 60. Jahrestag der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee zum Kampf gegen Antisemitismus und Rassenhass auf. Nie wieder dürften sich Verbrechen wie in Auschwitz wiederholen.
Die Schweiz wurde durch den Bundespräsidenten Samuel Schmid vertreten, welcher vom ehemaligen SIG-Präsidenten Dr. Rolf Bloch begleitet wurde. Prof. Dr. Alfred Donath , Präsident des SIG, vertrat den SIG in Auschwitz. Auch drei VertreterInnen der Jüdischen Studenten, Überlebende der Schoa und weitere Privatpersonen aus der Schweiz nahmen an den Gedenkfeiern teil. Unter anderem auch an einem im Nationaltheater in Krakau abgehaltenen Forum, wo Elie Wiesel eine emotionsgeladene Rede hielt.
Media Watch Arbeitsgruppe trifft sich zu ersten Sitzung.
Letzte Woche hat sich in Basel die Media Watch Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Josef Bollag (SIG) und Nicole Poëll (PLJGS) zu einer ersten Sitzung getroffen. An dieser Sitzung wurden die Strategie und Arbeitsweise von Media Watch diskutiert und beschlossen. Die Arbeitsgruppe besteht aus aktiven Medienschaffenden und weiteren an der Thematik interessierten Fachleuten.
Media Watch wird über verschiedene Kanäle auf Medienberichte reagieren, welche mit antisemitischen Klischees und Stereotypen arbeiten oder mit historisch falschen Tatsachen operieren. Ausserdem wird darauf geachtet, ob eine Tendenz zur Delegitimisierung Israels zu beobachten ist. Diese Kriterien gelten für Artikel, Kommentare und Leserbriefe.
Falls Sie Artikel oder Leserbriefe sehen, die Ihrer Meinung nach eine Reaktion von Media Watch nötig machen, melden Sie sich bitte bei der SIG Medienstelle (lyssy@swissjews.org) oder beim SIG Sekretariat unter der Telefonnummer 043 305 07 77 (info@swissjews.org):
Wir werden Sie an dieser Stelle über die Arbeit von Media Watch weiter informieren.
Die Geschäftsleitung SIG trifft die Parteileitung der SVP.
Im Rahmen der laufenden Gespräche mit den Parteileitungen der nationalen Parteien, traf sich die Geschäftsleitung des SIG mit Vertretern der Parteileitung der SVP zu einem 2stündigen Gespräch in Zürich. Dabei wurden die Themen "Antirassismus Strafnorm (Motion Hess)", "Innere Sicherheit in der Schweiz", "Minderheiten in der Schweiz" teilweise kontrovers, aber in einer offenen Atmosphäre diskutiert.
In den nächsten Wochen werden weitere Gespräche mit Parteileitungen stattfinden.
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