
SIG ENewsletter 4-05 / 11. Mai 2005
Special 100. Delegiertenversammlung
Am Mittwochabend fand die feierliche Eröffnung der Jubiläums-Delegiertenversammlung des SIG in der grossen Synagoge der Israelitischen Gemeinde Basel IGB statt.
Der Präsident Prof. Dr. Alfred Donath und Prof. Dr. René Spiegel als Präsident der gastgebenden Gemeinde Basel sowie Dr. Ralph Lewin, Regierungspräsident des Kantons Basel-Stadt, konnten zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur begrüssen. Darunter auch Bundesrat Moritz Leuenberger, der zur Ehrung von Dr. Michael Kohn, welcher ins Goldene Buch des SIG eingetragen wurde, nach Basel reiste. Unter den 500 Teilnehmenden waren auch die Delegierten der achtzehn Mitgliedgemeinden aus der ganzen Schweiz sowie Vertreter der Plattform der Jüdischen Liberalen Gemeinden der Schweiz.
Als Gastreferent sprach der Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR, Prof. Dr. Georg Kreis, zum Thema "Im Widerstand gegen Rassismus und Antisemitismus. Eine Bilanz nach 10 Jahren". Prof. Kreis betonte darin unter anderem die Bedeutung der EKR und hielt fest, dass sich die Antirassismus Strafnorm bewährt habe .
Die feierliche Eröffnung, Mittwoch 4. Mai 2005
Begrüssung durch Prof. Dr. René Spiegel, Präsident der Israelitischen Gemeinde Basel IGB
Prof. René Spiegel unterstrich die Wichtigkeit der Aufgaben des SIG und die Notwendigkeit, diese zusammen mit den Mitgliedgemeinden zu bewältigen.
Die vollständige Rede von Professor Spiegel finden Sie unter
www.swissjews.org/sites/spiegel.html
Begrüssung durch Dr. Ralph Lewin, Regierungspräsident des Kantons Basel-Stadt
Dr. Ralph Lewin ging in seiner Begrüssung vor allem auf die Bedeutung der Stadt Basel für die Juden allgemein und den SIG im speziellen ein. Er wies darauf hin, dass an diesem Abend 3 Jubiläen gefeiert würden. Die 100. Delegiertenversammlung des SIG, das 200-Jahre Jubiläum der IGB und die 15. DV des SIG in Basel. Das erste Mal war der SIG im Jahre 1911, das letzte Mal anlässlich des Herzl Jubiläums im Jahre 1997 zu Gast in Basel.
Die vollständige Rede von Regierungsrat Lewin finden Sie unter
www.swissjews.org/sites/lewin.html
Jahresrückblick des SIG-Präsidenten Prof. Dr. Alfred Donath
Prof. Alfred Donath zog im ersten Teil seines Jahresrückblicks parallelen zwischen der Entstehung der IGB und der des SIG und zeigte deren Entwicklung und politische Emanzipation im laufe der Geschichte auf.
Im zweiten Teil propagierte er die Öffnung der jüdischen Gemeinschaft der Schweiz - und damit des SIG - gegen Aussen. Ohne Dialog mit den Kirchen und anderen Glaubensgemeinschaften, den politischen Parteien, den Behörden, der Administration und der Regierung können die Schweizer Juden ihre Stellung in der Schweiz nicht behaupten. Es geht auch darum, dass die Juden ihre Ethik und ihr Verständnis von Menschlichkeit in die politische Diskussion einbringen. Er wies darauf hin, dass die Juden in der Schweiz ihre Gleichberechtigung voll leben können. "Die Schweizer Juden können mittlerweile ihr Leben als Schweizer Bürger vollumfänglich führen und gleichzeitig ihre Unterschiedlichkeit wahrnehmen, wenn sie dies wünschen".
Die vollständige Rede von Prof. Donath finden Sie unter
www.swissjews.org/sites/donath.htm
Im Widerstand gegen Rassismus und Antisemitismus.
Eine Bilanz nach 10 Jahren.
Dies der Titel des Gastreferats von Prof. Dr. Georg Kreis, Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR. Prof. Kreis betonte darin unter anderem die Bedeutung der EKR und hielt fest, dass sich die Antirassismus Strafnorm in der Schweiz bewährt habe. Er würdigte auch die Annahme der Antirassismus Strafnorm, des Artikels 261bis durch das Schweizer Volk anlässlich der Volksabstimmung im Jahre 1994. Gleichzeitig mahnte er, dass die Stimmung bei Teilen der nationalen Politiker wie auch der Bevölkerung umschwenke. So wurde jüngst im Nationalrat die Abschaffung der Antirassismus Strafnorm, in einer anderen Motion die Abschaffung der EKR gefordert.
Der Bundesrat erteilte dem Ansinnen jedoch die gebotene Antwort, indem er festhielt, "dass nicht ungestraft bleibt, wer öffentlich gegen einzelne Menschen und Menschengruppen wegen deren Rasse, Ethnie oder Religion zu Hass oder Diskriminierung aufruft, sie durch Worte oder andere Äusserungen in einer gegen die Menschenwürde verstossender Weise herabsetzt (...)."
In Bezug auf das Verhältnis zwischen der EKR und den Schweizer Juden führte er wie folgt aus:
"Die EKR hat sich in den vergangenen zehn Jahren stets an der Seite der in der Schweiz lebenden Jüdinnen und Juden gestellt und es als eine selbstverständliche Pflicht verstanden, das Nötige zu sagen, als sie wegen der Weltkrieg-Vergangenheit der Schweiz, wegen des Versuchs, das Schächtverbot aufzuheben, und wegen der Zunahme der Israelkritik in dreifacher Weise antisemitischen Reflexen ausgesetzt waren. Die jüdische Gemeinschaft der Schweiz und speziell der SIG bilden aber nicht bloss eine fragile Grösse, sie sind auch starke Verbündete. Sie sind mutige Mitstreiter in gemeinsamer Sache, das durfte die EKR in der Zusammenarbeit mit dem SIG und mit den beiden Kommissionsmitgliedern aus der jüdischen Gemeinschaft erleben. Als exponierte Minderheit setzt sich der SIG stets auch in allgemeiner Weise für die Sache der Minderheiten ein und wehrt sich darum auch zum Beispiel gegen die Diffamierung der muslimischen Minderheit und des Islam. Es ist zu hoffen, dass diese Solidarität anhält und nicht in den Strudel internationaler Konflikte gerät. Gerade in der Schweiz sollte das möglich sein".
Die vollständige Rede von Professor Georg Kreis finden Sie unter
www.swissjews.org/sites/kreis.html
Die Delegiertenversammlung, Donnerstag, 5. Mai 2005
Am Donnerstag widmeten sich dann die Delegierten dem statutarischen Teil der Versammlung. Neben der Diskussion der Jahresberichte wurde im Besonderen über die Kommunikation des SIG sowie über die Befindlichkeit der Gemeinden aus der Westschweiz im gesamtschweizerischen Dachverband debattiert.
Auf Grund des Rücktritts von Frau Martine Fiora-Guttmann (Communauté Israélite de Lausanne) war ein Sitz in der siebenköpfigen Geschäftsleitung des SIG freigeworden. Neu gewählt wurde Frau Sabine Simkhovitch-Dreyfus, die Präsidentin der Communauté Israélite de Genève CIG.
Auch im Centralcomité (CC) waren Rücktritte zu verzeichnen und neue Mitglieder zu wählen:
Zurückgetreten sind:
Rolf Jsaac, St. Gallen (22 Jahre CC, 7 Jahre davon als Vizepräsident)
Elie Kattan, Genf (10 Jahre CC)
René Lysek, Lausanne (7 Jahre CC)
Tamar Merlin, Bern (6 Jahre CC)
Sabine Simkhovitch-Dreyfus, Genf (7 Jahre CC, 1 Jahr davon als Präsidentin)
Gewählt wurden:
Dr. Harry Wiener, St. Gallen
Sylvain Benamran, Genf
Jean-Pierre Bloch, künftiger Präsident der CIL, Lausanne
Annemarie Guzman, künftige Präsidentin JGB, Bern
Philippe Grumbach, Genf
Die Delegiertenversammlung 2006 findet am 24. und 25. Mai 2006 in Winterthur statt.
"Hilfe und Ohnmacht - der Schweizerische Israelitische Gemeindebund und die nationalsozialistische Verfolgung 1933 - 1945"
Unter diesem Titel wurde am Mittwoch, 4. Mai den Medien und der Öffentlichkeit der neueste Band der SIG Schriftenreihe vorgestellt.
Zu diesem nun abgeschlossenen Forschungsprojekt ergriff der Gemeindebund selbst die Initiative. Dazu haben ihn verschiedene Gründe veranlasst. Erstens entsprach ein solches Projekt den Anliegen der historischen Aufklärung über das Schweizer Judentum, wie wir sie mit unserer Schriftenreihe seit längerem verfolgen. Zweitens existierte zwar bereits Literatur, die auf die Politik des SIG in der NS-Zeit einging - schon Carl Ludwig tat dies ansatzweise in seinem Weissbuch von 1957 und dann, weit ausführlicher, Jacques Picard in seiner Dissertation "Die Schweiz und die Juden" von 1994. Es gab aber keine Forschung, die die damalige Politik des SIG und seines Hilfswerks ins Zentrum stellte und systematisch untersuchte. Drittens kursierten über die Haltung des Gemeindebunds gegenüber seinen verfolgten Glaubensgenossen ungeklärte Gerüchte, die bereits in der fraglichen Epoche selbst aufkamen und bis heute nie ganz verstummten, Gerüchte, die teilweise dem Schweizer Judentum selbst die Verantwortung für eine antisemitische Behördenpolitik aufbürden wollten.
Anlässlich einer Pressekonferenz informierten Gabrielle Rosenstein als federführendes Mitglied der Geschäftsleitung SIG, Stefan Mächler als Autor und Prof. Dr. Alfred Donath als Präsident des SIG die in Basel anwesenden Journalisten.
Die vollständigen Referate finden Sie unter
http://www.swissjews.org/sites/maechler_rosenst.html,
http://www.swissjews.org/sites/maechler_donath.html,
http://www.swissjews.org/sites/maechler.html
Stefan Mächler: Hilfe und Ohnmacht. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund und die nationalsozialistische Verfolgung 1933-1945, Band 10 der Schriftenreihe des SIG, Chronos-Verlag, Zürich 2005, 569 Seiten, 48 Franken.
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