
SIG ENewsletter 8-05 / 24. August 2005
"Rütli-Schande" - der SIG schreibt dem Bundespräsidenten Samuel Schmid.
Der Gaza-Abzug und die Schweizer Medien .
Das Sommermachane war ein voller Erfolg.
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Neue Likrat-Ausbildungsrunde im Herbst - jetzt aber anmelden.
Die AKdH in den Medien - Artikel aus dem Tages-Anzeiger.
"Rütli-Schande" - der SIG schreibt dem Bundespräsidenten Samuel Schmid.
Nach den Vorfällen anlässlich der 1. August Feier auf dem Rütli hat der SIG in einem Brief an den Bundespräsidenten Samuel Schmid festgehalten, dass der aggressive Auftritt der Rechtsextremen und Neonazis die in einer Demokratie tolerierbaren Grenzen überschritten hat. Gleichzeitig dankte der SIG Samuel Schmid dafür, dass er sich nicht einschüchtern liess und in seiner Rede für eine offene und solidarische Schweiz plädierte.
Bei dieser Gelegenheit erinnerte der SIG daran, dass die Ergänzung des Artikels 261bis auf das Verbot von extremistischen Zeichen weiter vorangetrieben werden sollte, auch wenn von rechtsbürgerlicher Seite die Abschaffung oder zumindest Schwächung des Antirassismusartikels gefordert wird.
Der Gaza-Abzug und die Schweizer Medien .
Die Media-Watch Stelle hat gerade in den letzten Wochen und Tagen die Deutschschweizer Medien aufmerksam beobachtet und Sendungen, Artikel und Kommentare sorgfältig analysiert. Sowohl bei den elektronischen Medien wie auch in Zeitungen und Zeitschriften wurde meist ausgewogen berichtet. Es konnte bei gewissen Zeitungen sogar ein "Paradigmenwechsel" verzeichnet werden. Eine Entwarnung kann aber doch nicht gegeben werden. Das Monitoring der Medien ist eine Daueraufgabe und darf auch in so genannt ruhigen Zeiten nicht vernachlässigt werden. Media Watch ist weiterhin aufmerksam und wird wenn nötig angemessen reagieren.
Daneben waren der SIG-Präsident Alfred Donath und der Mediensprecher Thomas Lyssy Ansprechpartner der Medien, welche sich für die Meinung und Gefühle der Schweizer Juden gegenüber dem Gaza-Abzug interessierten.
Das Sommermachane war ein voller Erfolg.
SIG-Sommermachane 2005 in der Unterwasserwelt
Vom 17. bis 22. Juli fand das diesjährige SIG-Sommermachane in Flumserberg statt. Das Machane war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Die Madrichim hatten die Programme ganz nach dem Motto "Unterwasserwelt" gestaltet. Die Köchinnen Miriam Maman und Pnina Prêtre verwöhnten die Chanichim und Madrichim mit vorzüglichen Mahlzeiten. Von verschiedenen Chugim (in diesen konnten die Chanichim T-Shirts mit Batikfarbe färben, Gipsabdrücke des Gesichtes oder der Hände machen, aus Salzteig Figuren basteln, phantasievolle Paperschiffe kreieren oder mit flüssigem Wachs Kerzen in allen Farben herstellen), über Sichot und Sport bis zu abwechslungsreichen Abendprogrammen, war bei diesem Wochenprogramm für jeden etwas dabei. Der Ausflug in das Maislabyrinth in Wangs mit dem Streichelzoo und dem grossen Spielplatz wurde auch zum Erfolg. Zwar meinte es das Wetter nicht so gut mit uns, so dass die Temperaturen zu wünschen übrig liessen, doch sobald die Sonne wieder zum Vorschein kam, eilten die Chanichim in den grossen Garten des Hauses, um im Planschbecken zu baden oder bei der Wasserballon-Schlacht teilzunehmen. Durch eine ausgedehnte Schatzsuche wurden auch einige der schönsten Plätze in Flumserberg erkundet. Das Nachtspiel brachte den Machaneteilnehmern den kleinen Wald näher, in welchem sich in jener Nacht unheimliche Gestalten aufhielten.
Beim Ausflug zum Minigolf und am Schlussabend beim Wasserprogramm im Hallenbad konnten sich die Kinder nochmals von ihrer sportlichen Seite zeigen. Schliesslich sanken alle erschöpft ins Bett, um den nächsten Tag fit für die Rückreise im Car anzutreten.
Esther Senecky
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Neue Likrat-Ausbildungsrunde im Herbst - jetzt aber anmelden.
Likrat hat noch einige Plätze frei. Willst Du Dich in der Auseinandersetzung mit aktuellen jüdischen Themen mit gleichaltrigen jüdischen Jugendlichen und Fachleuten engagieren? Und danach die wichtige Aufgabe als Dialog-PartnerInnen in Schulklassen weiter führen? Die vielen Anfragen von Mittelschulen für das Begegnungs-Projekt Likrat können nur mit Deiner aktiven Teilnahme beantwortet werden. Wohnst Du abseits der Grossstadt, so ist uns Deine Teilnahme besonders wichtig, denn Du bringst wertvolle Erfahrungen ein - in der Begegnung mit anderen jüdischen Jugendlichen und in den Schulklassen.
Melde Dich an beim Likrat-Leadership & Dialogprojekt des SIG, Telefon 043 305 07 65 oder eva.pruschy@swissjews.org. Platzzahl beschränkt. Für das Programm und alle Details schau unter www.swissjews.org bei Likrat.
Die AKdH in den Medien - Artikel aus dem Tages-Anzeiger.
© Tages-Anzeiger ; 15.08.2005; Seite 2
Antifa stellt Rechtsextreme bloss
Personen aus der rechtsextremen Szene werden mit Namen und Adressen geoutet. Droht jetzt ein Kleinkrieg zwischen Rechts- und Linksradikalen?
Von Peter Johannes Meier
Eine Datensammlung mit 150 Namen und Adressen hat die Berner Antifa vergangene Woche an ausgewählte Journalisten versandt. Die Liste umfasst Personen, die beim Schweizer Anbieter White-Revolution Musik von rechtsradikalen Bands, in der Szene beliebte Kleider oder Neonazi-Accessoires bestellt hatten.
Die Berner Antifa verlangt eine umgehende Schliessung der Internetseite von White-Revolution. Deren Kundendaten - sie seien der Antifa zugespielt worden - bestätigten, dass solche Angebote von Jugendlichen benutzt würden, die mit der rechtsextremen Szene sympathisierten, ohne dort aktiv zu sein. Hinter dem Versand steckt der szenebekannte Aktivist und Pnos-Mitbegründer Sascha Kunz.
«Verantwortungslose Aktion»
Das Vorgehen der Antifa, insbesondere der Versand der Namensliste an Dritte, stösst jetzt ausgerechnet bei einer Organisation auf Kritik, die selber gegen rechtsextreme Jugendliche vorgeht und problematische Internetseiten zum Thema macht - die Aktion Kinder des Holocaust (AKdH). «Wenn solche Listen in falsche Hände geraten, kann das für Betroffene fatale Folgen haben. Es sind Personen aufgeführt, die sich inzwischen nachweislich von der Szene getrennt haben. Von anderen wissen wir schlichtweg nicht, was ihr Motiv war, etwas zu bestellen. Diese Leute quasi als Nazis zu outen, ist verantwortungslos», kritisiert Samuel Althof von der AKdH.
Die Berner Antifa weist den Vorwurf in einer Stellungnahme zurück: «Es geht nicht darum, 16- oder 17-jährige Jugendliche zu outen. Natürlich sind nicht alle KundInnen "Hardcore-Nazis .» Die Liste sei den Medien als Beweisstück und Illustration zugesandt worden. «Wir gehen davon aus, dass die Journalisten die Informationen mit der nötigen Vorsicht behandeln.»
Diese Vorsicht will Althof den Journalisten nicht grundsätzlich absprechen. Dennoch hätten in den vergangenen Wochen einzelne Medien Kampagnen geführt, die nichts mehr mit der realen Bedrohung durch Rechtsextreme in der Schweiz zu tun hätten. «Nach dem Rütli-Vorfall wurden Hunderte Jugendliche undifferenziert als Neonazis dargestellt und einzelne Exponenten zu Drahtziehern der so genannten "Rütli-Schande hochstilisiert. Letzteres stimmt so nicht und fördert eine paranoide Perspektive auf beiden Seiten», sagt Althof. Die wirklich gefährlichen Programmatiker dagegen, welche die Szene über Reden an Treffen ideologisierten, würden im Schatten pöbelnder Jugendlicher bleiben.
Althof kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Arbeit des Schweizer Journalisten Hans Stutz, einem bekannten Experten für Rechtsextremismus. «Seine oftmals auf die Ankündigung von Treffen oder Aktionen fokussierten Berichte sind kontraproduktiv und polarisieren die rechte und linke Szene zusätzlich.» Stutz wollte sich am Wochenende nicht zu dieser Kritik äussern.
Althof konstatiert ein Klima, das persönliche Diffamierungen oder gar Übergriffe auf Exponenten aus beiden Lagern begünstige. Wohin dies führe, zeige ein Blick nach Deutschland. Dort würden Rechtsradikale inzwischen mit gleichen Mitteln gegen Linke vorgehen: Aktivisten werden mit Adressen geoutet, zum Teil bedroht.
Die Antifa Bern stellt solche Gegenreaktionen nicht grundsätzlich in Abrede: «Wer sich aktiv gegen Rechtsextremismus und Rassismus wehrt, muss damit rechnen, bedroht oder angepöbelt zu werden. Dessen sind wir uns bewusst.»
Die Kritik der AKdH mag erstaunen, macht der mit 80 000 Franken vom Bund unterstützte Verein doch selber Rechtsextreme ausfindig. Dabei droht er auch mal, Arbeitgeber, Eltern oder die Justiz über die Aktivitäten der Jugendlichen zu informieren. «Doch wir suchen den persönlichen Kontakt zu diesen Leuten, sprechen sie auf ihre Einstellung an und helfen ihnen auch bei einem Ausstieg», sagt Althof. Auf diese Weise hätten sich in den vergangenen fünf Jahren über 30 Rechtsradikale von der Szene getrennt. Mit rund zwei Dutzend weiteren würden Gespräche geführt.
Ansprechen statt diffamieren
Althof unterscheidet zwischen so genannten Programmatikern und Symptomatikern. «Bei Ersteren erreicht man mit Gesprächen kaum etwas. Sie haben ihre Einstellung verinnerlicht und verbreiten sie weiter. Solche Leute beobachten wir genau und erstatten Anzeige, wenn sie sich illegal verhalten.» Diese Personen ans Licht zu zerren und politischen Druck auf sie auszuüben, hält Althof für angebracht.
Anders sehe es aus, wenn es um Symptomatiker gehe: «Für sie stehen die Chancen besser, dass sie sich nach einer kritischen Konfrontation von der Szene lösen. Ihr Verhalten ist oft mehr eine Art Hilferuf in einer schwierigen Lebenslage als Ausdruck einer politischen Überzeugung.» Durch ein Outing würden solche Jugendliche geradezu in eine Radikalisierung getrieben: «Sie fühlen sich verfolgt und - vielleicht zu Recht - unfair behandelt.»
Bearbeitungsvermerk:
Der Tages-Anzeiger schrieb, vom Rechtsextremismus-Experten Hans Stutz keine Stellungnahme erhalten zu haben. Hans Stutz hält aber fest, mit der im Artikel geäusserten Kritik an seiner Arbeit nur unvollständig konfrontiert worden zu sein. Anderenfalls hätte er sich dazu geäussert. Der TA bedauert dieses Missverständnis.
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