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SIG ENewsletter 10 / 24. Dezember 2004
Korrigendum des Extremismusberichtes - SIG und PJLGS schockiert
Holocaust Education, Remembrance and Research - Konferenz in Triest
Gründung einer Islamisch-Jüdischen Dialogkommission
Inach - Bericht vom Anlass in Basel
Das Gespräch mit den Gemeinden fördern
Korrigendum des Extremismusberichtes - SIG und PJLGS schockiert
Im Extremismusbericht vom August 2004 wurde die "Association des étudiants israélites de Genève (ADEIG)" als extremistische Gruppe bezeichnet. Der SIG hat seine Empörung über die Gleichsetzung einer jüdischen Studentenbewegung mit politischem und gewaltbereitem Extremismus schriftlich dem Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartementes, Bundesrat Dr. Christoph Blocher, mitgeteilt. Der SIG forderte vom Bundesrat eine öffentliche Richtigstellung. Daraufhin hat sich Urs von Daeniken, Direktor des Dienstes für Analyse und Prävention (DAP) bei der ADEIG entschuldigt.
Am 7. Dezember wurde das angekündigte Korrigendum veröffentlicht. Darin wurde, nach einem kurzen Hinweis auf die zu Unrecht erwähnte ADEIG, die These der Gefahr eines jüdischen Extremismus in der Schweiz aufrechterhalten und sogar nochmals verstärkt. Und dies ohne jegliche konkreten Anhaltspunkte. Die Extremismusgefahr wird mit der Gefahr "gewalttätiger antisemitischer Aktionen" begründet, die "zu Selbstjustiz führen können". Diese These ist völlig aus der Luft gegriffen und wird vom SIG und von der PJLGS zurückgewiesen.
Der SIG und die PJLGS sind schockiert über den Inhalt dieses Korrigendums und fordern eine Abklärung, wie es dazu kommen konnte, sowie eine deutliche Distanzierung des Bundesrates von dieser These. Eine Delegation wird in einem direkten Gespräch mit Bundesrat Dr. Christoph Blocher die Haltung der Schweizer Juden darlegen. Ein Termin im Januar wurde vereinbart.
Die Schweiz ist Mitglied in der Task Force für Internationale Zusammenarbeit im Bereich der Holocaust-Bildung/Erinnerung/Forschung und der SIG ist dabei
Die Task Force für Internationale Zusammenarbeit im Bereich der Holocaust Bildung/Erinnerung und Forschung wurde 1999 auf Initiative des schwedischen Ministerpräsidenten Göran Persson gegründet und hat zum Ziel sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen für die wichtige Aufgabe zu gewinnen, die Bildung und Forschung zum Holocaust zu fördern. Durch die ITF in der Schweiz angeregt ist etwa der 2004 eingeführte Holocaust-Gedenktag an den öffentlichen Schulen. Weiter soll allen teilnehmenden Staaten mit Kooperationsprojekten und Know-how-Transfer die Aufarbeitung des Holocausts erleichtert werden.
An der Plenarversammlung vom 13.-16. Dezember in Triest wurde die Schweiz offiziell in die ITF (International Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Rememberance and Research) aufgenommen. Damit umfasst die ITF nun 20 Mitgliedstaaten. Die Schweizer Delegation wurde von Botschafter Alexandre Fasel, EDA geleitet. Begleitet wurde die Delegation von Bernard Wicht, Erziehungsdirektorenkonferenz, François Wisard, EDA, Monique Eckmann, Fachhochschule für Soziale Arbeit, Genf, Samuel Althof, Aktion Kinder des Holocaust und Eva Pruschy, Likrat/SIG.
Bildung
In der Arbeitsgruppe Holocaust-Bildung wurde dieses Mal das Problem des Widerstands gegen das Thema Holocaust in den Schulen thematisiert, welches in allen europäischen Staaten erkennbar ist. In dieser Arbeitsgruppe ist Eva Pruschy vom SIG vertreten.
Die Deklaration der ITF kann auf http://taskforce.ushmm.org/stockholm/languages/english.htm abgerufen werden. Eine Kopie des Handbuches für Lehrer (Guidelines for Teaching about the Holocaust/Why, what and how to teach about the holocaust) kann beim Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund, Ressort Information und Prävention bestellt werden.
Information Working Group
Samuel Althof von der Aktion Kinder des Holocaust (AKdH), welche vom SIG unterstützt wird, wurde in diese Arbeitsgruppe delegiert, einerseits um das Wissen der AKdH in die aktuelle Diskussion einzubringen, aber auch um zu beobachten welche inhaltlichen und formalen Schwerpunkte sich die Gruppe selbst setzt.
Zur Debatte stand das Handling der Website der ITF. Es wurden in der Gruppe verschiedene Verbesserungsvorschläge für eine bessere Gestaltung der Website gemacht (Verbesserung der Grafik, Newsfeed, Archiv etc).
Vorschlag: ITF als Zertifizierungsstelle für z.B. revisionismusfreie Webseiten
In Absprache mit Botschafter Fasel hat Samuel Althof in bilateralen Kontakten zu Delegationsmitgliedern der deutschen und der amerikanischen Delegation folgenden Vorschlag unterbreitet:
Die ITF zertifiziert Internetseiten, die keine revisionistischen und antisemitischen Inhalte aufweisen mit einem von aussen (damit fälschungssicheren) einzublendenden Logo.
Ein entsprechender Kriterienkatalog ist auszuarbeiten, soll aber nicht zu viele Kriterien enthalten. Das Ziel der Zertifizierung ist vor allem jugendlichen Internetusern, die noch keine Erfahrung in Recherchetätigkeit haben, deutlich zu machen, welche Qualität die von ihnen gefundene Informationen haben und sie vor dem Zugriff auf Falschinformationen aus Unkenntnis zu schützen.
Notwendig wird dies, da rechtsextreme und revisionistische Internetseiten ihre Internetauftritte stark professionalisiert haben und sich immer mehr hinter einem, für Jugendlich schwer durchschaubaren "Mantel" einer Scheinwissenschaftlichkeit verbergen. Jugendliche Internetuser suchen in der Regel nach den ihnen am schnellsten zur Verfügung stehenden Informationen.
Die Zertifizierung würde durch eine von der ITF bestimmte Arbeitsgruppe vorgenommen, die via Sponsoring finanziert werden soll. Die Zertifizierung müsste jährlich erneuert werden.
Durch die Einblendung des Zertifikates/Logos und Verlinkung jeder zertifizierten Website zur ITF steigt das Rating z.B. bei Google schnell und stabil nach oben. Dies bedeutet, dass die Inhalte auf der Website der ITF an Wichtigkeit gewinnen, da die Website der ITF von Google prominenter erfasst würde (Der Such-Algorhythmus von Google wertet die Anzahl der Verlinkungen einer Website. Viele Links = wichtige Seite = die Seite erscheint bei einer Suchabfrage weiter oben.)
Die Internet-Userinnen und User profitieren von der Gewährleistung keine revisionistischen Inhalte vor sich zu haben.
Mit der Umsetzung dieser Idee könnte die Verteilung historisch korrekter Inhalte über die Shoah zunehmen und die Zugriffe auf revisionistische Inhalte verringert werden. Der Vorschlag wurde von Delegationsmitgliedern interessiert angehört und schon fast als offizieller Antrag aufgenommen und diskutiert, obwohl die Schweiz zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell aufgenommen war.
Wir werden Sie an dieser Stelle weiter über die Entwicklungen innerhalb der ITF und die Erfahrungen der SIG-Vertreter informieren.
http://taskforce.ushmm.org/
Gründung einer Islamisch-Jüdischen Gesprächskommission
Am 8. Dezember 2004 trafen sich in Bern Farhad Afshar, Präsident der KIOS (Koordination islamischer Organisationen in der Schweiz) und Alfred Donath, Präsident des SIG, sowie Michel Bollag, ebenfalls als Vertreter des SIG.
Nach einer eingehenden Aussprache zur aktuellen Situation des Islam und des Judentums in der Schweiz, sowie zu den Beziehungen zwischen den beiden Religionen, betonten die Beteiligten einstimmig die Notwendigkeit den Dialog zwischen den beiden religiösen Gemeinschaften in der Schweiz aufzunehmen.
Im gegenwärtigen gesellschaftlichen innerschweizerischen als auch internationalen Kontext erscheint dieser Dialog dringend notwendig, um dem Unwissen und den Vorurteilen entgegenzuwirken, die gewisse Kreise für extreme anti-jüdische oder anti-islamische Positionen empfänglich machen.
Aus diesem Grund beschlossen die Beteiligten, eine Islamisch-Jüdische Dialogkommission ins Leben zu rufen. Ziel dieser Kommission ist die Planung und Durchführung von Massnahmen und Veranstaltungen in den Bereichen Erziehung, Bildung und Kultur zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses und zum Abbau von Vorurteilen.
Inach International network against cyber hate - Bericht vom Anlass in Basel
An dieser jährlichen Tagung waren Teilnehmer aus vielen Ländern vertreten. Die Tagung wurde vom schweizerischen Mitglied der Inach, der AKdH, organisiert. Neben verschiedenen Themen und neuen Konzepten, ergab sich aus den Vorträgen und Diskussionen eine Aufsehen erregende Erkenntnis aus einer Studie "Youth violence": Es zeigte sich, dass sprachlich-synchrone Analysen von Webpages eine erstaunlich klare Kategorisierung dieser Webpages ermöglichen, basierend auf Beobachtungen objektivierbarer Parameter der sprachlichen Transformation. Diese nun rein aufgrund sprachlicher Methoden erreichten Analysen entsprechen erstaunlich akkurat den Autorengruppierungen und psychodynamischen Interpretationen, wie sie in den praktischen Feldstudien des Internetstreetworking (ISW) der AKdH festgestellt wurden. Zudem fügt sich die Arbeit der AKdH nahtlos an die Resultate der Studie, indem die AKdH im Internetstreetworking die Rückübersetzung von der Virtualität ins reale Leben und in die psycho-sozialen Zusammenhänge der Autoren wagt. Im internationalen Vergleich der INACH ist dieses Projekt neu und bahnbrechend und hat das Interesse der anderen Länderrepräsentanten geweckt, eigene Schritte eines Internetstreetworking zu erwägen, bzw. von den Resultaten der AKdH zu lernen.
www.inach.net
Das Gespräch mit den Gemeinden fördern
In den letzten Wochen hat Daniel A. Rothschild, Finanzchef und Ressortleiter "Jugend (deutsche Schweiz)" sowie "Beziehungen zu den Gemeinden" zusammen mit dem Generalsekretär Dennis L. Rhein bereits viele Mitgliedgemeinden besucht und mit Vertretern des Vorstandes aktuelle Themen in Bezug auf das Verhältnis der Gemeinden zum Dachverband diskutiert.
Es geht bei diesen Gesprächen darum, die Befindlichkeit der Gemeinden und deren Erwartungen gegenüber dem SIG, aber auch die Erwartungen des SIG an seine Mitglieder zu besprechen. Ausserdem sollen die Ergebnisse dieser Sitzungen dazu dienen, den SIG für die nächsten Jahre vorzubereiten und sich Gedanken über die Zukunft des Verbandes zu machen.
Die letzten Gespräche werden bis Anfang Februar geführt sein. Wir werden zu gegebenem Zeitpunkt wieder berichten.
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